Besser beraten, besser versichert

Coronavirus: Welcher Versicherer zahlt

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Das Coronavirus hält die Welt weiter in Atem. Mehr als 70.000 Menschen sind daran erkrankt, fast 1.800 Menschen daran gestorben, erstmals ein Patient auch in Deutschland. Wie aber sieht es mit dem Versicherungsschutz bei dieser Krankheit aus? Eine Frage, die nicht nur Privatpersonen, sondern ganze Firmen betrifft.  

Die gute Nachricht: Wenn Menschen im Ausland an dem Coronavirus erkranken, zahlt in der Regel die Auslandsreisekrankenversicherung. Hier sollte man allerdings aufpassen, in welchem Umfang der Rücktransport versichert ist. Manche Versicherer erstatten den Rückflug nur dann, wenn er medizinisch notwendig ist. Andere hingegen zahlen auch dann, wenn ein Rücktransport sinnvoll und vertretbar ist, etwa wegen besserer Heilungschancen.  

Etwas schwieriger ist die Situation, wenn ein deutsches Unternehmen Mitarbeiter ins Ausland entsendet hat, sogenannte Expatriates. Zwar dürften in den vom Coronavirus betroffenen Krisenregionen mittlerweile keine deutschen Mitarbeiter mehr tätig sein - die Bundeswehr hat viele ausgeflogen. Aber die Frage ist, ob und in welchem Umfang Mitarbeiter noch in andere Gebiete Chinas oder Hongkongs entsendet werden können, wo sich die Krankheit schnell ausbreiten könnte. Das Auswärtige Amt hat eine Teil-Reisewarnung für die gesamte Volksrepublik ausgesprochen. Diese Warnung gilt jedoch aktuell nicht für Hongkong oder Macao.

Hier sind deutsche Firmen in der Pflicht, die Lage zu beobachten und ihre Mitarbeiter ausreichend zu schützen - im Zweifel, indem sie ausgeflogen werden. Zwar gibt es spezielle Assistance-Versicherungen. Diese unterstützen in der Regel dabei, einen Rückflug zu organisieren, etwa über Netzwerke, bezahlen diesen aber nicht selbst. Übrigens: Wenn eine erhebliche Gesundheitsgefährdung besteht, können sich Mitarbeiter laut Paragraf 106 der Gewerbeordnung weigern, die Reise anzutreten - ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen.  

Ausfallversicherung: Viele Veranstalter gegen Krankheiten nicht abgesichert  

Ebenfalls ärgerlich ist es, wenn Großveranstaltungen infolge des Virus abgesagt werden müssen. Und das ist auch bereits in Europa der Fall. Prominentestes Beispiel: der Mobile World Congress in Barcelona, eine der größten Mobilfunkmessen der Welt. Unzählige Veranstalter, Hotels und Teilnehmer bleiben nun auf einem Teil der Kosten oder gar den ganzen Aufwendungen sitzen.  

Zwar lassen sich auch solche Veranstaltungs-Absagen versichern: in der Regel mit einer Ausfallversicherung. Viele Veranstalter haben aber darauf verzichtet, den Ausbruch einer Krankheit oder Epidemie als Ursache für den Ausfall einzuschließen, so berichtet das „Handelsblatt“. Und das hat schlicht mit den Bedingungen dieser Verträge zu tun.  

Weil Ausfallversicherungen auf das jeweilige Event zugeschnitten sein müssen - versichern lassen sich etwa Sportveranstaltungen, Open-Air-Konzerte oder eben Messen - haben die Veranstalter auch eine große Freiheit, welche Leistungsbausteine und Ausschlüsse sie integrieren. Werden Krankheiten inkludiert, so würde das die Verträge deutlich verteuern. Bisher aber war es sehr unwahrscheinlich, dass derartige Ereignisse zu einer Absage von Veranstaltungen führten, zumindest hierzulande. Entsprechend haben viele Organisatoren diesen Schutz auch nicht gewählt.  

Wenn es im Betrieb nicht mehr weitergeht  

Ähnliches gilt, wenn infolge des Corona-Virus Firmen ihre Produkte nicht ausliefern können und die Produktion stillsteht. Immerhin ist China mittlerweile einer der wichtigsten Exportmärkte für die deutsche Wirtschaft, speziell die Autoindustrie.  

Güter „Made in Germany“ im Wert von 93,1 Milliarden Euro wurden 2018 nach China verkauft, berichtet das „Statistische Bundesamt“. Dass viele deutsche Firmen zugleich auf chinesische Hersteller angewiesen sind, ist ohnehin bekannt: auf vielen Gegenständen und Geräten steht schließlich das Label „Made in China“. Waren im Wert von 106,2 Milliarden Euro wurden zeitgleich nach Deutschland importiert.  

Für die Fälle, dass alle Räder in der Firma stillstehen müssen, gibt es spezielle Betriebsunterbrechungs- und auch Betriebsschließungsversicherungen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ besteht da aber ein ähnliches Problem wie bei den Ausfall-Policen. Viele Firmen haben eine Auszeit wegen Feuer oder Sachschäden mitversichert, nicht aber Ausfall infolge einer Pandemie. Diese sei ohnehin in der Regel vom Schutz ausgeschlossen. Das Kostenrisiko ist zu groß, als dass es ein Versicherer allein stemmen könnte. Hier haben erste Anbieter immerhin begonnen, Pandemien in bestimmtem Umfang mitzuversichern.  

Zudem gibt es für deutsche Firmen noch den Auslands-Kreditversicherer Euler Hermes. Bekannt für die sogenannten Hermes-Botschaften, sichert der Versicherer öffentlich deutsche Firmen gegen Zahlungsausfälle im Ausland ab. Hier wäre zu klären, ob und in welchem Umfang das auch bei Ausfällen aufgrund des Corona-Virus gilt.